extraprima 91 |
nervig-feinsinniger Rosé aus reinem Merlot
Der Rosé von Philippe Nunes‘ Château Laurence hatte als 2022er beachtliche 92 Punkte bei James Suckling eingeheimst. Er war ein Bordeaux Rosé. Aus nomenklatorischen Gründen ist der 2024er Laurence Rosé nun ein Vin de Pays de l’Atlantique und die Bezeichnung ist Domaine Laurence. Ansonsten ist alles gleich: Reinsortiger Merlot als Rosé gepresst und im Tank ausgebaut.
unkompliziert und vielschichtig
extraprima 91 | Ganz zartes, leuchtendes Rosé im Provence-Farbton. Ganz duftig, floral und verspielt im Geruch, mit sehr ernsthafter Fruchtkomponente und unkomplizierter Aromatik zugleich. Das wirkt so leicht und differenziert, finessenreich und animierend. Dieser einladende Rosé hat eine sehr reizvolle Nase. Ganz tänzerisch, leichtfüßig und saftig setzt er seinen Siegeslauf auch im Mund fort, mit glasklarer Säure und einer sehr charmanten, eleganten Struktur. Sehr spielerisch, engmaschig strukturiert und doch lebendig unkompliziert, ganz trocken und dennoch saftig, ohne Breite oder Schwere, mit schwebender Frucht, die keineswegs vordergründig verhaftet bleibt. Ein fabelhafter Sommerwein, der allerdings auch länger auf der Flasche reifen kann, ohne schnell zu welken.
Der Laurence Rosé 2021 ist ein reinsortiger Merlot…und das mit Absicht. Denn es ist kein Abfallprodukt der Rotweinerzeugung, sondern ein echter, direkt gepresster Rosé aus purem Merlot. Wenn Ihnen der Unterschied zwischen einem Rosé de Saignée und einem direktgepressten Rosé nicht klar ist, finden Sie die kurze Erläuterung unten.
direkt gepresster Rosé aus reinem Merlot
Rosé de Saignée: Saignée bedeutet Ausbluten, denn ein Rosée de Saignée ist ein Nebenprodukt der Rotweinbereitung. An deren Anfang werden die Trauben gequetscht und der Most nimmt je nach Sorte, Qualität und Jahrgang die Farbe schneller oder langsamer an. Zieht man nun von dem rosafarbenen Most einen Teil ab (Saftabzug) und vergärt ihn separat, hat man einen Rosé. Denn Farbe kann er ja ohne die Traubenschalen nicht mehr zulegen. Und der verbleibende Rotwein erhält durch weniger Saft mit wiederum einem höheren Anteil an Traubenschalen einen kräftigeren Geschmack und eine intensivere Extraktion. Auf diese Weise konzentriert man also den Rotwein und erhält zusätzlich einen Rosé. Ein direkt gepresster Rosé wird also von den roten Trauben, die zu Rosé verarbeitet werden sollen gezielt abgepresst und weiter vergoren, während der verbleibende Trester (Traubenschalen) nicht für die Weinbereitung weiterverwendet wird. Diese direkt gepressten Rosés sind meist präziser, ernsthafter und besser…aber eben auch teurer… Unterschied: Ein direkt gepresster Rosé wird zu dem Zeitpunkt geerntet, zu dem der Rosé die entsprechende Frische und Knackigkeit erreicht. Hier achtet man vom Lesezeitpunkt eher auf die Balance von Säure und Frische. Die Trauben für die Rotweinbereitung werden meist später geerntet, um eine bessere Reife in den Traubenschalen zu erreichen und einen kräftigeren Rotwein zu erzeugen. Der Rosé de Saignée ist daher meist weniger knackig und fokussiert, oft fruchtbetont und rund, nicht ganz so langlebig. Charakterlich ein deutlicher Unterschied!